Harris Eve: Die Hochzeit der Chani Kaufman

Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman

Eigentlich wähnt man sich zurückversetzt in ein längst vergangenes Jahrhundert. Aber ganz im Gegenteil, die Geschichte der Chani Kaufman lässt uns eintauchen ins multikulturelle  London des Jahres 2008. Genauer gesagt nach Golders Green , dem jüdischen Zentrum Großbritanniens,  und die Heimat der weltweit drittgrößten ultraorthodoxen Gemeinschaft nach Jerusalem und New York.

Hier trifft man in schwarze Mäntel gehüllte Männer, unter deren Hüten sich die Ohrlöckchen hervorkringeln. Und Frauen gekleidet in lange dunkle Röcke deren Haare, sobald sie verheiratet sind unter Perücken zu verbergen sind.

In dieser kontrollierten, konservativen und von strengen  Regeln geprägten Welt der streng gläubigen Juden, in der man sich nicht einfach so verliebt, soll Chani, die ein Maß an Freiheitsliebe und Rebellion in sich trägt, nun mit dem braven Baruch verheiratet werden, den sie erst drei Mal gesehen hat.

Und dann gibt es da noch Chaim Zilberman und Rebecca Reuben, die heute schon viele Jahre verheiratet sind, drei Kinder haben und als Rabbi und Rebbetzin die jüdische Gemeinde leiten. Nie würde man bei solch „ehrenhaften“ Leuten vermuten, dass die Anfänge ihrer Beziehung eine Zeit der Unbeschwertheit und des Glücks waren, in der eigenständiges Denken und ein Grad an Wildheit wohl existierten. Die beiden lernten sich in Jerusalem kennen und lieben, doch immer mehr widmete sich Chaim dem Studium der Thora, bis die beiden, nach dem Tod ihres kleinen Sohnes  schließlich Israel hinter sich ließen und in Europa einen Neuanfang wagten. Doch Rebecca fühlt sich immer unwohler in diesem engen Korsett, das die Religion aber auch ihr Mann immer stärker schnürt.

Ausgerechnet diese in sich gespaltene Frau soll Chani nun auf die baldige Hochzeit und ihr späteres Eheleben vorbereiten.

Ich habe dieses Buch verschlungen denn es ist ein Juwel, das mich eintauchen ließ in eine mir völlig fremde Welt. Denn so vieles aus dem jüdisch-orthodoxen Glauben habe ich nicht gewusst und immer wieder blieb ich bei der Lektüre sprachlos zurück. Wie zum Beispiel, dass das »rituell unreine« Menstruationsblut eine »Art Tod« bedeutet. Käme der Mann damit in Berührung, »würde er seine Seele mit Leblosigkeit beschmutzen«. Daher sind die reinigenden Tauchgänge im Frauenbad ein unerlässlicher Bestandteil der Ehe.

Die Autorin, Eve Harris ist die Tochter polnisch-israelischer Eltern. Lange arbeitete sie als Lehrerin, darunter an katholischen und jüdisch-orthodoxen Mädchenschulen in London und Tel Aviv. Mit ihrem Erstlingswerk „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“ schaffte sie es 2013 auf die Longlist des renommierten Man Booker Prize.

Das Buch ist schon 2015 im Diogenes Verlag in deutscher Sprache erschienen und ich habe es schon unzählige Male empfohlen und verkauft. Es gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern!

Foto: Diogenes Verlag

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