Die Intensität der Literatur

 

Das Buch „Verlockung“ des 1901 geborenen ungarischen Schriftstellers Jànos Szèkely, hat mich mit einer Wucht getroffen und mich atemlos zurück gelassen wie   kaum ein anderes Buch. 1950 wurde es erstmals veröffentlicht und avancierte  zum Welterfolg. 2016 wurde es zum Glück vom Diogenes Verlag neu aufgelegt und gelang so in meine Hände.

Teilweise autobiografisch wird das Leben des Jungen Bèla erzählt, der in Ungarn der Zwischenkriegszeit aufwächst und solch elende Kindheit verbringt, die kaum vorzustellen ist. Als uneheliches Kind wird er von der Mutter bei einer berüchtigten und für ihren grausamen Erziehungsstil bekannten Frau in einem kleinen Dorf gegen monatliches Kostgeld abgegeben. Mit  anderen elternlosen Kinder wächst er in tiefster Armut auf, geplagt von Hunger und Kälte. Aber vor allem die Brutalität und Lieblosigkeit ließen ihn fast verzweifeln und hilflos zurück. Erst viele Jahre später holte ihn seine Mutter, die in Budapest als Wäscherin arbeitete zu sich,  wo er eine Lehrstelle als Liftboy in einem großen Hotel bekam und  mit einer völlig neuen, für ihn so fremden Welt konfrontiert wurde. Die Dekadenz des Reichtums und einige Amouren mit  weiblichen Gästen machten ihm ebenso zu schaffen  wie die neuen politischen Ideen des Sozialismus die, den Armen und Ausgebeuteten erste Flausen des Widerstands, mit dem Ziel der  Gleichberechtigung, einzubläuen versuchten. 

Achtung dies  ist keine Lektüre der Sozialromantik, sondern ein erschütternd intensiver Bericht aus den 1920ern der uns die damaligen politischen und sozialen Umbrüche direkt vor die Nase hält und uns mit Bèla hoffen und bangen lässt für eine bessere Zukunft.

Der Autor plante eigentlich eine Trilogie, aber daraus wurde nichts. Er selbst floh nach dem 1. Weltkrieg nach Deutschland und 1938 nach Amerika wo er sich als Drehbuchautor für Stummfilme einen Namen machte. 1940 war er am Höhepunkt seiner Karriere und erhielt mit der Buchvorlage zum Film „Arise, my love“  den Oscar. Er starb 1958 in Ostberlin.

Jànos Szèkely: Verlockung

2016 bei Diogenes neu aufgelegt 

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