Zehrer Klaus Cäsar: Das Genie

Als er 1887 in Amerika ankam, verschenkte der hochbegabte, jüdisch-russisch stämmige Boris Sidis erstmal seine letzten Habseligkeiten um ganz und gar frei zu sein für sein Lebenswerk, die Bildung.

„Jeder Mensch könnte ein Genie sein“, so der Leitsatz  des späteren Psychologen und Psychiaters. Um seine Behauptung zu beweisen, benutzte er seinen Sohn, William James sozusagen als „Versuchskaninchen“ und unterzog ihn von Geburt an einem ausgeklügelten Lernprogramm. Und das Experiment  gelang; 1910 wird dieser in Boston als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Als einer der jüngsten Harvard Studenten fasziniert er mit seinem Wissen die Öffentlichkeit und die akademische Welt.  Der kleine Billy wird mit der „Sidis-Methode“  intensiv gefördert, gleichzeitig aber von seinen Eltern emotional sträflich vernachlässigt. Zuwendung bekommt er nur für erbrachte Leistungen. Nach und nach entwickelt er sich fast zu einem „kleinen Monster“, da ihm jegliche sozialen Fähigkeiten und emotionale Intelligenz zu fehlen scheinen. Beim Lesen spürte ich immer wieder einen Hauch von  Abneigung, dem kleinen William gegenüber, welches sich aber rasch in Mitgefühl und einer Brise Traurigkeit auflöste, als William beginnt, sich mit aller Vehemenz  von seinen Eltern zu lösen und für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Schlussendlich weigerte er sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, die von Ausbeutung und Gier getrieben war.

600 Seiten die nicht müde machen und nicht loslassen. Eine, mit Fiktion untermalte Biografie außergewöhnlicher Menschen die ihr Ziel so vehement verfolgten, dass sie fast „zu leben“ vergaßen.

 

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