Nevo Eshkol: Über uns

Ich selbst bin ja zufriedene Haus- und Gartenbesitzerin und genieße das ruhige Landleben. Aber so wie es die Städter in ihrer Freizeit oft aufs Land zieht, reise ich immer gern in die eine oder andere Stadt um, den für mich, so raren Flair der menschlichen Vielfalt zu genießen und wie ein Voyeur, oft nur für einen Augenblick, in ihr Leben einzutauchen. Wenn ich nun zum Beispiel mit der U6 von Siebenhirten in die Wiener Innenstadt fahre, rauscht, wie in einem Kurzfilm, einer der größten Wohnparks Österreichs – Alterlaa, an meinem Fenster vorüber und beim Betrachten der unzähligen Balkone denke ich stets an die Bewohner dahinter mit ihren unterschiedlichen Geschichten.

Warum ich das erzähle? Na wegen diesem Buch hier!

Ein Wohnhaus, irgendwo in Israel und herausgenommen, drei Parteien. Was passiert hinter den verschlossenen Türen, welche kleinen und größeren Dramen spielen sich hier ab und wie fragil kann das Zusammenleben oft sein, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Ein junges Paar mit Kindern, das sich noch nicht ganz eingelebt hat in ihrer Elternschaft. Da kommt  das so liebevoll wirkende ältere Ehepaar von Gegenüber, welches sich praktischerweise als Babysitter anbietet, gerade recht. Die ehemalige Richterin und Witwe im obersten Stock, die den Weg aus der Einsamkeit schafft und dazwischen hadert Chani Doron „die Witwe“,  mit ihrem Leben und den nicht genutzten Möglichkeiten  und scheint  sich in ihrem inneren Monolog zu verstricken.

Das Buch zaubert wie ein  Kaleidoskop die unterschiedlichsten  Wünsche, Sehnsüchte und Begehren um sie  wie durch reine Magie wieder verschwinden zu lassen.   Welch wunderbar kurzweilig zu lesende Lektüre!

Erschienen im dtv Verlag 2018.

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