Grossegger Gertrude Maria: Wendel

Kurz und bündig will ich euch heute ein neues Buch vorstellen, was angesichts der Schönheit und der Freude, die mir die Lektüre bereitet hat, schier unmöglich erscheint. Ja da muss ich eher aufpassen, dass ich nicht ins ausufernde Schwärmen gerate.

Der Wendel, der ist ein Forschender, er ist ein Erdverbundener und doch ein Offener, der sich für vieles interessiert. Aber er ist  auch ein Taktvoller… denn nur diese Spezies schafft es im Gleichschritt zu marschieren und dabei ins Horn zu blasen, bei der örtlichen Blasmusik.

Nun man kann auch sagen, dass er ein Bescheidener ist …… aber sicherlich kein Verwöhnter, da er sich noch nie vor schwerer Arbeit oder Herausforderungen gedrückt hat. Er ist ja auch ein „Gasthauskind“, der von klein an zurückstecken hat müssen.

Ja und  er ist ein Wissenschaftler, ein gewissenhafter, eifriger, ein nüchterner Mensch möchte man meinen. Und deshalb wird man als Leser mehr als neugierig, man wird quasi gefangen genommen, von der Obsession herauszufinden, was  den Wendelin so erschüttert hat, dass es ihn im wahrsten Sinne des Wortes, die Füße wegzieht und er ohnmächtig wird, nachdem er in den Plastiksack geschaut hat, den ihm sein guter Freund Theo gebracht hat. Gut, dass in der Zeit, in der, der  Wendel so ausgeliefert und hilflos, ohne Bewusstsein da im Flur liegt, uns mit jedem Kapitel mehr und mehr offenbart wird,  mit welchen durchaus liebevollen wenn auch  etwas schrulligen Menschen wir es hier zu tun haben, der mit sich selbst, mit seiner Familie und mit seinem obsessiven Forschergeist ein durchaus annehmbares Dasein in Gamspichl zu führen scheint. Aber natürlich gibt es da diesen berühmten Haken, das Verborgene, den Schatten, etwas was wohl jeder in sich trägt und das man tunlichst zu verbergen versucht. Ja der Wendel ist ein Schlauer, denn hinter seinem offiziellen Labor gibt es ein zweites, sozusagen ein privates Geheimlabor. Dort wo er an seinem eigentlichen Herzblutprojekt forscht, das knapp vor der Vollendung steht.

Gertrude Maria Grossegger, die in der Oststeiermark lebende Autorin hat mit ihrem ersten Prosawerk große Literatur geschrieben, die den Leser fordert und kaum ein Abschweifen der Gedanken erlaubt, zu dicht und intensiv  ist die Sprache, die einen unweigerlich in ihren Bann zieht. Es ist eine unglaublich poetisch erzählte Geschichte, die vor philosophischen Wortspielereien strotzt  und die, die Handlung doch nie aus den Augen verliert.  Aber ich frage euch: „Wer will sich schon wegdenken angesichts dieser komplexen Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite an neugierig macht und sich das Auflösen, des Geheimnisses, als Notwendigkeit darstellt?“

erschienen in Keiper Verlag 2018

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